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Die Ludwig-Erhard-Schule (LES) nahm den 120. Geburtstag Ludwig Erhards zum Anlass, vom 06. bis 10.02.2017 eine Themenwoche für ihre Schülerinnen und Schüler zu veranstalten. Nicht nur im Unterricht stand der Mann mit der Zigarre im Mittelpunkt – ein abwechslungsreiches Programm regte die Jugendlichen zur Auseinandersetzung mit wirtschaftspolitischen und volkswirtschaftlichen Themen an.

Unterliederbach. Am Montagvormittag herrschte nach der ersten Pause großes Gedränge im Foyer der Ludwig-Erhard-Schule: Über 200 Schülerinnen und Schüler aus Berufsfachschule, Fachoberschule und Berufsschule fanden sich mit ihren Theaterkarten in der Hand ein, um die Vorstellung des Hope Theatre Nairobi zu besuchen.

20170208 Hope Theatre NairobiDas Ensemble des Hope Theatre Nairobi begeisterte mit seinen Tanzeinlagen

Da es für einige Jugendliche der erste Besuch einer Theateraufführung war, ließ sich eine Mischung aus Aufregung, Vorfreude und Unsicherheit wahrnehmen. Etwaige Zweifel, ob Theater nicht etwas schrecklich Langweiliges sei, waren aber schnell verflogen. Die politische Revue „The Fair Trade Play“ bestand aus einem abwechslungsreichen Programm aus Musik, Tanz und Schauspiel und nahm nicht nur das Beziehungsgeflecht zwischen armen und reichen Ländern in den Fokus, sondern thematisierte auch die Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie von Menschen verschiedener Hautfarben. Besonderen Anklang bei den Zuschauern fand der ins Stück integrierte „Dance-Workshop“: Zunächst zeigten sich die Schüler der LES zwar etwas schüchtern, als sie von den Schauspielern auf die Bühne geholt wurden, um traditionelle kenianische Tanzschritte zu lernen, aber schnell war das Eis gebrochen und die gemeinsame Tanzdarbietung erntete einen tosenden Applaus. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Darsteller des Hope Theatre Nairobi am Ende der Aufführung die Bühne nicht ohne weitere „Tanz-Zugaben“ verlassen konnten. Aber die Darbietung konnte nicht nur durch ihren großen Unterhaltungswert überzeugen. So sagte beispielsweise die Fachoberschülerin Jasmin als sie nach ihren Eindrücken befragt wurde: „Das Stück hat auf verschiedenste Weise zum Nachdenken über Fairness angeregt und unterschiedliche Denkansätze geliefert.“ Auch die zweite Vorstellung von „The Fair Trade Play“ am Dienstag erhielt viele positive Rückmeldungen von Seiten der Schüler, so dass die Theater-Performance als gelungener Auftakt der Themenwoche bezeichnet werden kann.

„Die Geldpolitik des Eurosystems“

Am Mittwochmorgen waren verschiedene Berufsschulklassen aus den Bereichen Büromanagement, Industrie und Einzelhandel zu einem Vortrag über die Geldpolitik des Eurosystems eingeladen. Angekündigt war eine Informationsveranstaltung, in der die Schülerinnen und Schüler über die Ziele und Instrumente der aktuellen Geldpolitik sowie die Aufgaben der Deutschen Bundesbank aufgeklärt werden sollten. Sicher hatte der ein oder andere Auszubildende vor Beginn der Veranstaltung die Befürchtung, ermüdenden Ausführungen zum Problem der Preisstabilität vor dem Kontext von Inflation und Deflation ausgesetzt zu werden. Jene Azubis hatten aber nicht mit Martin Jedrzejowski von der Deutschen Bundesbank gerechnet, der zum Stab der Präsidentin der Hauptverwaltung in Hessen gehört! Herr Jedrzejowski sprach die Jugendlichen direkt an, eilte Fragen stellend mit dem Mikrophon durch das Publikum und zeigte sich schülernah, witzig und schlagfertig. Wunderten sich die Schüler vielleicht zunächst doch über die Frage „Welche Anforderungen soll Ihr neuer WG-Mitbewohner erfüllen?“, war man sich aber schnell einig, dass dieser gewisse Aufnahmekriterien erfüllen muss. So war es nur noch ein kleiner Schritt zum Verständnis der Konvergenzkriterien, jenen Anforderungen, die ein EU-Mitglied erfüllen muss, um der Wirtschafts- und Währungsunion beitreten und den Euro als seine Währung einführen zu können. Auch um die Arbeit der Deutschen Bundesbank zu veranschaulichen, bediente sich Jedrzejowski zunächst einer eingängigen Analogie: „Ihr Freund Max hat die Frau seines Lebens kennengelernt. Was würden Sie ihm raten, damit er sie für sich gewinnen kann?“ Die Traumfrau muss von Max überzeugt werden. Worauf steht die Traumfrau? Nettes Essen beim Italiener, Blumen und ein Besuch in der Oper. So eingestimmt fiel es den Schülern leicht zu verstehen, wie die Deutsche Bundesbank durch Analyse und den Einsatz geeigneter Instrumente ihr Ziel der Preisstabilität erreichen kann. In der abschließenden Fragerunde wurde deutlich, wie interessiert die Auszubildenden dem Vortrag gefolgt waren und wie viel sie über Geldpolitik gelernt hatten. Aber auch die anwesenden Lehrkräfte der LES zeigten sich beeindruckt von der lebendigen und schülernahen Veranstaltung und nahmen die eine oder andere Anregung mit in den eigenen Unterricht. Die Klasse 11EH1, bestehend aus angehenden Kaufleuten im Einzelhandel, hatte im Anschluss die Gelegenheit, in einem Workshop bei Herrn Jedrzejowski das Gelernte noch weiter zu vertiefen. In Gruppen setzten sich die Schüler mit verschiedenen Fallbeispielen auseinander und überlegten, welche geldpolitischen Maßnahmen in den geschilderten Situationen wohl angemessen wären. Am Nachmittag war sich die Klasse einig: „Es war anstrengend, aber wir haben viel mitgenommen.

"Ludwig Erhard und die Zeit des 2. Frankfurter Wirtschaftsrates 1948/49"

Den Auftakt der Veranstaltungen am Donnerstag bildete ein Beitrag des Zeitzeugens Karl Leo Schneeweis, einem der wohl bekanntesten Unterliederbacher. Herr Schneeweis war lange Jahre als Stadtverordneter und Vorsitzender des Unterliederbacher Vereinsrings tätig und erhielt 2011 den Ehrentitel „Stadtältester“ der Stadt Frankfurt.

20170212 Stadtältester Karl Leo SchneeweisStadtältester Karl Leo Schneeweis teilt seine Erinnerungen mit den Schülerinnen und Schülern der LES

Seine Eindrücke und persönlichen Erinnerungen an Ludwig Erhard teilte Herr Schneeweis mit circa 200 Schülerinnen und Schülern aus Berufsschule und Fachoberschule. Getreu dem Motto „Nur wenn man Geschichte versteht, versteht man auch die Gegenwart“, gelang es ihm, den Jugendlichen ein detailliertes Bild der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu vermitteln, als Ludwig Erhard als Direktor dem 2. Frankfurter Wirtschaftsrat vorstand und die Währungsreform vorbereitete. Über die Teilnahme des angesehenen Unterliederbachers an der Themenwoche freute sich die Schulgemeinde der LES besonders, da er in den 1950er Jahren maßgeblich am Wiederaufbau des Schulgebäudes, das 1944 bei einem Bombenangriff beschädigt wurde, beteiligt war. Bei der Planung des 1982 unter dem Namen „Ludwig-Erhard-Schule“ fertig gestellten Schulneubaus, war Herr Schneeweis Ideengeber für das offene Schulhofkonzept.

Oberbürgermeister Herr Feldmann als Ehrengast der feierlichen Abendveranstaltung

Am Donnerstagabend hatten sich Förderer und Partner der LES sowie Vertreter des Lehrerkollegiums und der Schülerschaft im Foyer der Schule eingefunden, um Ludwig Erhards Jubiläum in einem kleinen Festakt zu begehen. Flankiert von einem lebensgroßen Ludwig-Erhard aus Pappmaché, der zum 100. Geburtstag des Vaters der sozialen Marktwirtschaft angefertigt worden war und sonst wohlbehütet im Lehrerzimmer der Schule residiert, hieß Schulleiter Bernhard Friedrich die Gäste herzlich willkommen. Welchen Stellenwert ihr Namensgeber noch heute für die LES hat, wurde deutlich, als Herr Friedrich von den zahlreichen Delegationen von Pädagogen aus Malaysia, China, Palästina und Israel berichtete, die die Schule im Laufe des letzten Jahres besucht haben und ihren Rundgang stets vor dem Bild des ersten Wirtschaftsministers begannen. Eine besondere Ehre war es dem Schulleiter, das Wort an Herrn Oberbürgermeister Feldmann übergeben zu können, der sich bereit erklärt hatte, seinerseits einige Grußworte zu sprechen. Der Oberbürgermeister betonte in seiner Ansprache, Bildung sei ein zentraler Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft. Frankfurt sei robust, herzlich und freundlich, fordere als Wirtschaftsstandort aber auch viel – wer nicht mitziehe, sei daher schnell außen vor. Auch wenn es in Frankfurt nicht jeder „vom Tellerwäscher gleich zum Millionär“ schaffen könne, seien Ehrgeiz und der Wille zu lernen unerlässlich, wodurch die Ludwig-Erhard-Schule, die sich die berufliche Bildung junger Menschen zum Ziel gesetzt habe, zu einem zentralen gesellschaftlichen Akteur werden würde.

20170210 Oberbürgermeister Herr FeldmannOberbürgermeister Herr Feldmann bereichert die Veranstaltung durch seine Grußworte

Auch Frau Diana Rutzka-Hascher, Präsidentin der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Hessen, die im Anschluss einen informativen Vortrag zum Thema „Europäische Niedrigzinspolitik – Wie geht es weiter?“ hielt, betonte, Bildung sei entscheidend, um Chancengleichheit im wirtschaftlichen Wettbewerb herzustellen. Seinen Abschluss fand der Festakt in einem kleinen Sektempfang, der Raum für Gespräche, nicht nur über wirtschaftspolitische und volkswirtschaftliche Fragen, bot.

20170211Schulleiter bedankt sich bei Frau Rutzka HascherSchulleiter Herr Friedrich bedankt sich bei Frau Rutzka-Hascher für ihren Beitrag zur Festwoche

„Das soziale Sicherungssystem in Deutschland“

Zum Abschluss der Themenwoche am Freitag referierte Marc Wacker (360 Grad Training GmbH) über das soziale Sicherungssystem in Deutschland. Berufsschülerinnen und –schüler aus sieben Klassen fanden sich im Foyer der Schule ein, um den Ausführungen zu Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege-, Unfall- und Rentenversicherung zu lauschen. Themen, die insbesondere für junge Arbeitnehmer und Auszubildende von großer Relevanz sind! Zu Beginn seines Vortrages betonte Herr Wacker, eine soziale Sicherung sei ohne soziale Marktwirtschaft nicht möglich. Um den Schülern das Solidaritätsprinzip zu verdeutlichen, zitierte er Ludwig Erhard, der forderte: „Wohlstand für alle!“ Er hob hervor, es gelte die Wirtschaft voranzubringen, ohne den Menschen zu vergessen, denn nur gemeinsam sei eine Gesellschaft stark. Sehr anschaulich erklärte er mithilfe des „Robin Hood-Prinzips“ am Beispiel eines Berufseinsteigers, einer Karrierefrau und eines CEOs, wie die gesetzliche Sozialversicherung in Deutschland funktioniert. Wer einen langweiligen und trockenen Vortrag erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Marc Wacker gelang es, sein junges Publikum mit eingängigen Beispielen bei der Stange zu erhalten. So erläuterte er beispielsweise den demographischen Wandel anhand einer Ü30-Party, die nur ganz spärlich besucht wurde, wohingegen die Ü60-Party aus allen Nähten platzte. Besonderes Augenmerk legte er in seinen Ausführungen auf die gesetzliche Rentenversicherung und die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge. Hierbei betonte er, dass auch das Ansammeln von Wissen eine Form der Altersvorsorge sei und eine solide berufliche Bildung der Start in eine sichere Zukunft.

20170209 FoyerDie Veranstaltungen der Themenwoche fanden im Foyer der Schule statt, wo circa 200 Schülerinnen und Schüler Platz finden

Eine rundum gelungene Themenwoche

Für die Ludwig-Erhard-Schule ist eine interessante und abwechslungsreiche Woche zu Ende gegangen. Durch das abwechslungsreiche Programm und die Vielzahl groß angelegter Veranstaltungen ist es gelungen, einen Großteil der 1400 Schülerinnen und Schüler anzusprechen. Schulleiter Bernhard Friedrich zieht ein positives Resümee: „Eine gute Berufliche Schule braucht neben dem klassischen Unterricht auch besondere Lern- und Veranstaltungsformen, an die sich unsere Schülerinnen und Schüler noch länger erinnern. Mit dem Konzept der Themenwoche ist uns dies wieder gut gelungen. Unser Namensgeber Ludwig Erhard bot für unsere kaufmännische berufliche Schule hierfür den geeigneten Anlass.“

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