Vereinzelte Zeitungsmeldungen wie "Virus-Angst: Schulen geschlossen" (Höchster Kreisblatt, 4.9.2009) berichten von ersten zeitweisen Schulschliessungen in Nordrhein-Westfalen, um die Infektionskette zu unterbrechen - weitere Schulschliessungen im bevölkerungsreichsten Bundesland werden nicht ausgeschlossen. Dass dies und die zunehmende Zahl der 16.261 erkrankten Menschen bundesweit Schüler, Eltern und Lehrer beunruhigt ist nachvollziehbar. Und ehe jedoch Panik über die Schweinegrippe hier zu Lande Schule macht, sollten alle Beteiligten ruhig Blut bewahren und sich über das Gefährdungspotential und mögliche prophylaktische Maßnahmen informieren.
Obwohl Tag für Tag mehrere hundert Krankheitsfälle hinzukommen und die Dunkelziffer vermutlich hoch ist, verläuft die “Neue Grippe” bisher milde, auch in Schulen. Vereinzelte Immunologen vertreten sogar die Meinung, die Schweinegrippe sei schon vorbei; andere Institutionen, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), prognostizieren jedoch, dass sich im Herbst und Winter bis zu 30 % der EU-Bevölkerung infizieren könnten
Genaue Daten zur Schweinegrippe-Situation in Deutschland finden Sie natürlich beim Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut des Bundesministeriums für Gesundheit.
Wer mag aber heute absehen, welchen Verlauf die leicht übertragbare Schweinegrippe nimmt, wenn mit der letzten großen Rückreisewelle aus dem Urlaub das Virus sich stärker auszubreiten droht. Gerade Schulen und Kindergärten sind besonders anfällig. Das Land muss also vorbereitet sein. Mit Hysterie hat das nichts zu tun. Hier gilt der alte Grundsatz Vorsorge ist besser denn Heilen: Bestimmte Konsequenzen muss man sofort ziehen - und zwar die hygienischen Verhältnisse an den Schulen verbessern. Man mag nicht glauben, was man alles sieht, hört und liest: über Klassenzimmer ohne Waschbecken, Seife als Luxusartikel in Schulen, unbenutzbare Toiletten. Teilweise erbärmliche Zustände – die Schweinegrippe wird es an den Tag bringen.
Nehmen wir uns im Umgang mit der Schweinegrippe ein Beispiel an den deutschen Unternehmen, die immer mehr dem Aufruf des DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammertag) folgen, sich konsequenter auf eine drohende Massenausbreitung der Schweinegrippe im Herbst vorzubereiten, damit die wirtschaftlichen Auswirkungen einer flächendeckenden Pandemie eingedämmt werden. Immer mehr Unternehmen haben bereits Pandemie-Notfallpläne erarbeitet.
In einem sind sich die verantwortlichen Gesundheitpolitiker einig: Es besteht derzeit keine Notwendigkeit für vorsorgliche Massenschließungen von Schulen (EU-Gesundheitssicherheitsausschuss). Empfohlen wird allerdings, zur Verzögerung der Virusübertragung örtlich begrenzt Schulen zu schließen, wenn bei den Schülern Infektionen festgestellt werden. Dieses Vorgehen ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn es rechtzeitig erfolgt.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat eine wissenschaftliche Stellungnahme zu Schulschließungen abgegeben.
In den Regionen Deutschlands, in denen inzwischen Kindergärten und Schulen wieder ihre Arbeit aufgenommen haben bzw. aufnehmen werden, wird Kindergarten-Personal prophylaktisch getestet; ob Lehrer getestet werden, steht noch nicht fest.
In einem Focus Online-Interview erklärt Angelika Ottersbach, Direktorin am Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium in Köln, an dem im Sommer 13 Schüler an Schweinegrippe erkrankten und das als erste deutsches Gymnasium deshalb für eineinhalb Wochen geschlossen wurde, wie Schulen einer Grippewelle vorbeugen können.
Wie sieht es mit der Vorsorge an Frankfurter Schulen aus?
Aus dem Staatlichen Schulamt Frankfurt stehen derzeit noch keine Informationen zur Verfügung, obwohl der Website des Hessischen Kultusministeriums eine Pressemitteilung zu entnehmen ist, dass am vergangenen Mittwoch alle Schulen in Hessen mit einem Informationspaket über die Neue Grippe informiert werden. Das Informationspaket soll aus folgenden Elementen bestehen:
- Häufig gestellte Fragen und Antworten aus Sicht der Schulen
- Allgemeines Informationsblatt für Schüler und Eltern zum Umgang mit der Krankheit
- Eine Liste mit weiteren Informations- und Beratungsangeboten
Gesundheitsminister Jürgen Banzer bittet in der Pressemitteilung Schüler und Eltern, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen: „Mit einfachen Hygienemaßnahmen kann jeder das Risiko einer Infektion deutlich verringern. Dazu gehört insbesondere, sich regelmäßig die Hände zu waschen und in den Ellenbogen zu niesen oder zu husten, wie in den Informationen beschrieben.“
Das Online-Portal rhein-main.net teilt mit, dass die Bildungsverantwortlichen in Wiesbaden das Erkrankungsrisiko als nicht so groß einschätzen, dass der Schulbeginn verschoben werden müsste. Zudem seien die Krankheitsverläufe, die sich mit dem Influenza-Virus A H1N1 anstecken, in den allermeisten Fällen in Deutschland eher milde, berichtet Hochtaunus-Schulamtsleister Günter Donath von der Schulamtsleiterkonferenz in Wiesbaden am Dienstag, den 11.8.2009.
Herr Donath betont, dass seine Behörde «in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt» stehe und für die Schulen ein Papier erarbeite, das noch einmal auf die prophylaktischen Hygiene-Richtlinien hinweise. Als da wären unter anderem häufigeres Händewaschen und das so genannte hygienische Husten, bei dem man in die Armbeuge hustet, um die Verbreitung von Tröpfchen besser zu vermeiden als beim Husten in die Hand. Er hofft darauf, dass die Schulen Aufklärung bei den Schülern betreiben.
Was im Hochtaunus-Kreis zu funktionieren scheint, lässt an der LES noch auf sich warten; auch in der zweiten Schulwoche liegen keine Vorsorge-Information vor. Bleibt zu hoffen, dass auch die Frankfurter Schulverantwortlichen das vermeintliche Informationspaket ihren Schulen in dieser Situation, in der es um die Gesundheit Ihres Personals und ihrer Klientel geht, noch rechtzeitig zukommen lassen, bevor die erste Fälle an unserer Schule auftreten.
Unabhängig davon verweist das Online-Portal frankfurt.de seit einiger Zeit auf fundiertes Infomaterial:
Mit einem Flyer in zehn verschiedenen Sprachen informiert die Bundes-Integrationsbeautragte Maria Böhmer Migrantinnen und Migranten über die so genannte Schweinegrippe. Das Faltblatt erläutert in leicht verständlicher Form, wie man sich vor einer Ansteckung mit dem Virus H1N1 schützen kann und was bei einer Infektion mit der Neuen Grippe zu beachten ist.
Der Flyer wurde in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut, dem Paul-Ehrlich-Institut und dem Ethno-Medizinischen Zentrum Hannover erstellt.
weitere Infos:
FluTracker - Tracking the progress of H1N1 swine flu
Daily Update - Pandemic H1N1 2009 - Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC)
Unilkinik Frankfurt: Vorsorge gegen Schweinegrippe
Informationen zu Schweinegrippe (Influenza A/H1N1) - Bundeszentrale f. gesundheitl. Aufklärung
Influenza A/H1N1 (Schweine Grippe) - Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit
Film "Hygieneverhalten am Arbeitsplatz bei einer Grippepandemie" - Unfallkasse Hessen
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