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Absolventen der BÜA 10 und 11

Im Februar 2022 veranstaltete die Ludwig-Erhard-Schule (LES) eine Themenwoche mit dem Titel „Psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern“. Vielfältige Angebote im Unterricht und ein umfangreiches Rahmenprogramm sollten allen Jugendlichen an der LES die Möglichkeit bieten, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Nach über zwei Jahren Pandemie zeigen aktuelle Studien ein beunruhigendes Bild: Immer mehr junge Menschen in Deutschland fühlen sich schwer belastet. Sorgen um die Familie und die eigene Zukunft beeinträchtigen das psychische Wohlbefinden ebenso wie die Verringerung der empfundenen Lebensqualität durch coronabedingte Einschränkungen des sozialen Lebens. Während zahlreiche Jugendliche von Folgeerscheinungen wie Schlafstörungen, Essstörungen, Angststörungen oder Depressionen berichten, sind adäquate Therapie- und Hilfsangebote oft nur mit sehr langen Wartezeiten verfügbar.

Um dieser ernstzunehmenden Problematik, die natürlich auch vor der LES nicht Halt macht, angemessen Rechnung zu tragen, bildete sich bereits im Oktober vergangenen Jahres eine Arbeitsgruppe rund um den Beratungslehrer Herrn Brill und die Mitglieder des LES-Beratungsteams  zur Planung und Organisation der Themenwoche 2022, in der allen Schülerinnen und Schülern der LES die Chance geboten werden sollte, sich intensiv mit dem Thema der psychischen Gesundheit auseinanderzusetzen. Ein Thema, das leider auch in der heutigen Kommunikation für viele Menschen noch ein Tabu darstellt, obwohl bereits Shakespeare wusste: „Lass deinen Schmerz in Worten aus; denn Kummer, der nicht spricht, der schreit nach innen, bis das Herz zerbricht.“ Dem Vorbereitungsteam ist es dank seines großen Engagements gelungen, ein sehr breites und abwechslungsreiches Angebot auf die Beine zu stellen, das den Jugendlichen ganz unterschiedliche Zugänge zur Problematik ermöglichte.

20220328 Gesundheit1Im ersten Stock des Schulgebäudes informierten große Stellwände der Wanderausstellung „Psychmobil“ über Problembereiche wie z. B. Anderssein, Depressionen, Suchtverhalten und Suizidgedanken. Die vom Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt in Zusammenarbeit mit Irrsinnig Menschlich e.V. entwickelte Ausstellung bot den Schülerinnen und Schülern der LES Gelegenheit, sich ganz selbständig – und vielleicht auch unbeobachtet – den Themen zu nähern und Hinweise auf städtische Hilfs- und Beratungsangebote zu erhalten.

Eine Fülle an Informationen konnten auch die Besucher des „Marktes der Möglichkeiten“ gewinnen. Vertreter/-innen verschiedener Hilfeeinrichtungen in Höchst und Unterliederbach waren gekommen, um die Jugendlichen an ihren Ständen über verschiedene Themenbereiche und ihre Angebote zu informieren und Fragen direkt und individuell zu beantworten. Neben Pro Familia, dem Jugendmigrationsdienst der Caritas, der Suchtberatung Höchst und der evangelischen Medienzentrale war natürlich auch das Beratungsteam der LES vor Ort.

20220328 Gesundheit3Der Berufswegeplaner der Gesellschaft für Jugendbeschäftigung e. V. (gjb), Ralph Kesselring (rechts im Bild), war sehr zufrieden mit der Veranstaltung und betonte, wie gut das Informationsangebot von Schülerinnen und Schülern aus allen Schulformen angenommen wurde. „Mit der Ausrichtung der Themenwoche auf die aktuellen Bedürfnisse unserer Jugendlichen treffen wir den Nerv der Zeit.“

Die Projektleiterin von QuABB, Juliane Kopp (gjb, links im Bild) ergänzte: „Für uns als Beratungsfachkräfte der Schule war die Veranstaltung aus zwei Gründen wichtig: Zum einen konnten wir unser Angebot Schülerinnen und Schülern vorstellen, die uns noch nicht kannten. Zum anderen konnten wir wichtige Kontakte im Stadtteil zu anderen Beratungseinrichtungen aufbauen.“

Darüber hinaus fanden in der Themenwoche zahlreiche Workshops und Vorträge statt.

So hielten beispielsweise eine Psychologin des Gesundheitsamtes, ein Psychiater der Uniklinik Frankfurt in Zusammenareit mit einem Patienten und die Jugendtherapeutin Katharina Berg Vorträge zu psychischen Erkrankungen und Psychotherapie. Die Experten informierten darüber, welche Symptome auf welche psychische Erkrankung hinweisen können und welche Ursachen und Risikofaktoren eine Erkrankung begünstigen. Auch über Resilienz und Entstigmatisierung wurde in den Workshops intensiv gesprochen. Die mehrstündigen Vorträge wurden von den beteiligten Klassen so gut angenommen, dass Beratungslehrer Roland Brill mit den Fachleuten direkt vereinbarte, derartige Angebote auch über die Themenwoche hinaus an der LES zu realisieren.

In den Workshops standen Informationen und Faktenchecks zu Suchtverhalten im Fokus. Miriam Degenhardt, Lehrerin an der LES, besuchte zum Beispiel mit zwei ihrer Klassen den Workshop „Shisha und E-Produkte“:

„Im Stuhlkreis konnten die Schülerinnen und Schüler ihr bereits vorhandenes Wissen mit dem Referenten teilen, aber auch bislang Unbekanntes lernen. Besonders angenehm war die Kommunikation zwischen dem Referenten und der Gruppe auch deshalb, weil nicht nachgehakt oder gewertet wurde, sondern der Austausch im Vordergrund stand. Aktive Übungen haben dazu angeregt, sich mit dem Thema „Sucht“ zu befassen und eigene Verhaltensmuster zu reflektieren. Der Workshop kam bei allen gut an! Das hat die durchweg hohe Beteiligung und das positive Feedback deutlich gezeigt.“

Viele Schulklassen besuchten im Rahmen der Themenwoche auch das Jugendzentrum „Zenit“, das nur circa 15 Minuten Fußweg von der LES entfernt ist und neben beruflicher Orientierung und Alltagsbewältigung auch Hilfe bei Behördengängen und Schulproblemen bietet, oder das „Jugend- und Kulturzentrum Höchst“, das bei einer 45-minütigen Führung sein Angebot vorstellte, das z. B. auch ein Tonstudio und eine Kreativwerkstatt beinhaltet.

In Höchst und Unterliederbach unterwegs waren auch die Schüler/-innen der Klassen 12F8 und 10BU04. Mit ihren Lehrerinnen Frau Karzos und Frau Franz gestalteten sie mithilfe der App „Nebolus“ eine digitale Schnitzeljagd mit dem Ziel, fünf Hilfeeinrichtungen in den Stadtteilen näher kennenzulernen. Die App basiert auf der Hintergrundgeschichte, eines jungen Mädchens, das verschwunden ist und nun von ihrem Freund gesucht wird. Die Jugendlichen machten sich mit viel Freude ans Werk, indem sie Fotos der Hilfeeinrichtungen erstellten und Sprachnachrichten aufnahmen, die später als Hinweise an den erreichten Stationen der Schnitzeljagd dienten. Am Ende der Themenwoche stellten die beiden Klassen sich der Herausforderung, die selbst konzipierte Schnitzeljagd zu absolvieren und meisterten die einzelnen Stopps mit Bravur. Ein überaus gelungenes Projekt, das den Schüler/-innen nicht nur wichtige Informationen zum Thema an die Hand gab, sondern einfach auch Spaß machte und Raum für die eigene Kreativität ließ!

Besondere Beachtung fand die Durchführung der Themenwoche natürlich auch bei den Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs Sport. So beruft sich Marion Bauer, passionierte Sport-Lehrerin der LES, auf das Zitat „ Mens sana in corpore sano“ des römischen Dichters Juvenal, der schon vor 2000 Jahren postulierte, in einem gesunden Körper wohne doch ein gesunder Geist. In diesem Sinne organisierten verschiedene Sportlehrer/-innen ein Stationentraining in der Sporthalle: Mit dem Ziel, Stress zu bewältigen, Frustrationstoleranz zu schulen und Ängste abzubauen galt es, unterschiedliche Stationen zu absolvieren. Eine echte Herausforderung für die teilnehmenden Klassen der Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung (BÜA)!

Ein ausgesprochen positives Feedback aus der Schülerschaft gab es auch für die Yoga-Einheiten, die in Zusammenarbeit mit Herrn Traband von der TSG Unterliederbach in der Ballhalle angeboten werden konnten. Jugendliche aus insgesamt sieben Klassen der BÜA und der Berufsschule konnten hier erste Yoga-Erfahrungen sammeln.

Sportlehrerin Marion Bauer berichtete:

„Bei langsamer, beruhigender Musik wurden die Schüler/-innen angeleitet, verschiedene Positionen einzunehmen. Dafür brauchten sie ausreichende Balance und Stabilität, um nicht wieder bäuchlings auf der Matte zu landen. Dazu gab es viele Wiederholungen, sodass die Muskeln ganz schön beansprucht und gedehnt und der Bewegungsapparat rundum gekräftigt wurde. Von wegen „Yoga ist kein Sport“ …! Die Jugendlichen haben aber auch die geistige Herausforderung des Yoga kennengelernt. Sich fallenlassen können und entspannende Atemübungen bei meditativen Klängen durchzuführen, war nicht immer einfach, aber diejenigen, die es geschafft haben, fanden, dass sie die Hektik des Alltags einmal vergessen konnten und „so etwas wie inneren Frieden“ fanden (Zitat eines Schülers).“

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Am Ende der Themenwoche ziehen das Kollegium der LES und das Vorbereitungsteam eine durchweg positive Bilanz: Viele Schülerinnen und Schüler nutzten die Chance, sich mit dem Thema der psychischen Gesundheit in seiner Vielfalt (erstmals) zu beschäftigen. Um eine nachhaltige Auseinandersetzung zu gewährleiten, hat es sich Beratungslehrer Roland Brill zur Aufgabe gemacht, verschiedene Inhalte und Angebote externer Anbieter fest in den Unterricht der LES zu integrieren.