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Auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Friedrich-Ebert-Stiftung besuchte am 02.06.2016 eine Gruppe von sechs Kolleginnen aus unterschiedlichen Schulen in Palästina die Ludwig-Erhard-Schule (LES). Teil des umfangreichen Besuchsprogramms in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen war auch der Besuch einer beruflichen Schule. Aufgrund ihres vielfältigen Angebots konnte die LES interessante Einblicke bieten. Die Kolleginnen wurden im Foyer durch den Schulleiter, den Stellvertretenden Schulleiter und den Personalrat der LES begrüßt.

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Dass unsere kaufmännische Schule nach dem ersten Wirtschaftsminister und „Erfinder“ der sozialen Marktwirtschaft benannt ist, bildete den Einstieg in das dreistündige Besuchsprogramm. Ein erster interessanter Austausch fand in der Pause im Lehrerzimmer statt, wo sich die Besucherinnen einzeln vorstellten.

Im anschließenden Rundgang wurden mehrere Klassen besucht und es kam schnell zu Fragen und interessanten Gesprächen. Zum Beispiel wurde das Lernbüro besucht, in dem gerade eine Lerngruppe der Salzmannschule ihren Praxistag im Kooperationsprojekt „Praxis und Schule“ absolvierte. In der Fachoberschulklasse 11 kam es dann zu intensiven Gesprächen über die Bildungssysteme in Deutschland und Palästina. Ein Großteil dieser Klasse beabsichtigt momentan nach Erhalt der Fachhochschulreife ein Hochschulstudium. Besonders aufmerksam hörten die Schülerinnen und Schüler, dass dies in Palästina zwar auch die Regel sei, die meisten Absolventen dann aber keinen Beruf finden würden; die Jugendarbeitslosigkeit sei extrem hoch.

Besonderes Interesse hatten die Lehrerinnen aus Palästina deshalb auch am Dualen System der Berufsausbildung. Der Besuch einer Einzelhandelsklasse im 2. Ausbildungsjahr war sehr eindrucksvoll. Einzelne Schülerinnen und Schüler, die u.a. bei der Fa. Heinemann oder bei Aldi ausgebildet werden, konnten sich gar nicht vorstellen, dass junge Menschen ohne Berufsausbildung und ohne Anbindung an einen Betrieb sich am Markt einen Beruf suchen müssen. In dieser Gesprächsrunde wurden die Stärken des Dualen Systems der Berufsausbildung für den Einzelnen und auch für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg ganz deutlich. Dies veranlasste die Leiterin der Delegation, Frau Daraghmah, sogar dazu, vorzuschlagen, in Kontakt zu bleiben und das Duale System der Berufsausbildung auch in ihrem Land einzuführen.

In der anschließenden Nachbesprechung ging es auch um Fragen der Personalvertretung von Lehrerinnen und Lehrern, denn die Kolleginnen sind alle Mitglieder der palästinensischen LehrerInnengewerkschaft GUPT. Es ging um das Streikrecht von Lehrerinnen und Lehrern und darum, dass gerade an einer Berufsschule die Lehrerinnen und Lehrer Vorbildfunktion gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern haben, wenn es um die Vertretung von Arbeitnehmerrechten und Mitbestimmung geht.

Für die LES war der Besuch der palästinensischen Frauendelegation eine echte Bereicherung, gerade an einer Schule, an der der Anteil an Jugendlichen mit Migrationshintergrund sehr hoch ist und wo Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufeinandertreffen. Die Intensität der kurzen Gesprächsrunden hat das deutlich gezeigt.